Advocatio Rechtsanwälte in München
Text drucken31.12.2017
Testament-Errichtung-Eigenhändig

Testament wirksam – trotz falscher Schreibhand

Das Testament unterliegt dem Formerfordernis des § 2247 Abs. 1 BGB. Dieser lautet:

„Der Erblasser kann ein Testament durch eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichten.“

In dem vom OLG Köln mit Beschluss vom 03.08.2017 – 2 Wx 149/17 entschiedenen Fall war problematisch, in wieweit ein Rechtshänder ein Testament wirksam errichten kann, welches er mit der linken Hand geschrieben hat. Hintergrund hierfür war, dass seine üblicherweise benutzte rechte Hand wegen einer Krebserkrankung gelähmt war. In diesem mit der linken Hand geschriebenen Testament hatte er seinen Nachbarn zu seinen Erben eingesetzt. Dies geschah vor einem Zeugen. Gegen den Erbscheinsantrag der Nachbarn wandte sich eine Schwester des Erblassers. Dabei hat sie argumentiert, dass das Testament nicht handschriftlich verfasst worden sei, weshalb es an einem Formmangel leide.

Zweck der eigenhändigen Errichtung

Hintergrund für diese gesetzliche Vorschrift ist, dass eine Nachprüfung der Echtheit und auch der Einheit des Testaments aufgrund der besonderen Schriftzüge des Erblassers durch ein grafologisches Gutachten möglich sein soll und damit einhergehend eine Nachahmung erschwert wird.

Dieses Erfordernis kann weder durch Zeugen noch andere Beweismittel ersetzt werden, sodass es beispielsweise nicht genügt, einen anderen zu ermächtigen, den letzten Willen niederzuschreiben.

Kein handschriftliches Testament

Somit scheiden aus dem oben genannten Zweck der Authentizität der Schriftzeichen beispielsweise aus:

  • Kopien
  • Faxmitteilungen oder E-Mails
  • Abmalen oder Durchausen eines von fremden handgefertigten Entwurfs
  • Errichtung in Blindenschrift

Entscheidend für die Wirksamkeit eines Testaments ist die Erstellung in persönlichen Schriftzügen.

Persönliche Schriftzug entscheidend

In dem dargestellten Verfahren wurde der Augenzeuge, der der Errichtung des handschriftlichen Testaments beigewohnt hatte, vernommen. Dieser hatte glaubhaft bekundet, dass der Erblasser aufgrund der Erkrankung nicht mehr üblicherweise mit seiner rechten Hand das Testament errichten konnte. Der Zeuge hatte zudem durch seine eigene Unterschrift auf dem Testament den Errichtungsakt sowie den Inhalt des Testaments bestätigt. Wegen der Erkrankung der üblicherweise verwendeten „Schreibhand" war im Ergebnis der Erbscheinsantrag der Nachbarn erfolgreich.

Experten Tipp

Es kommt für die „Eigenhändigkeit", welche vom Gesetz für die Errichtung eines Testaments vorgeschrieben ist, nicht auf die normalerweise benutzte Schreibhand an. Es muss nur überhaupt das Testament mit einer Hand vom Erblasser selbst geschrieben werden. Auch dann bleiben dessen individuelle Schriftzüge erkennbar. Da aber bei einer etwaigen Begutachtung Schriftproben des Erblassers herangezogen werden, ist es zwingend geboten, einen Zeugen für den aus welchen Gründen immer notwendigen Wechsel der üblichen Schreibhand zu haben. Eine absolute Schreibunfähigkeit ist erst dann anzunehmen, wenn es dem Testierenden unmöglich ist, überhaupt selbst noch zu schreiben. Dann bleibt nur noch die Möglichkeit der Errichtung eines sogenannten öffentlichen Testaments vor einem Notar, § 2232 BGB.

Fachanwalt für Erbrecht Manfred Hacker, München




← zurück
Gerne helfen Ihnen die Fachanwälte für Erbrecht in München weiter. Vereinbaren Sie doch einfach einen persönlichen Beratungstermin und nehmen Sie Kontakt zur Kanzlei Advocatio auf!

Advocatio Rechtsanwälte in München (089) 2101020
Ihre Experten für Pflichtteilsrecht in München
Diese Website nutzt Cookies, um die bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Informationen