Advocatio Rechtsanwälte in München

Schenkung- und Erbschaftsteuer

Bei jeder erbrechtlichen Regelung und bei größeren Schenkung sollte auch die Erbschaftsteuer bedacht werden. 

So können beispielsweise Freibeträge dadurch mehrfach genutzt werden, dass der Erblasser dem Begünstigten bereits zu Lebzeiten etwas zuwendet. Die steuerlichen Nachteile einer Vor- und Nacherbschaft können durch Nießbrauchregelungen vermieden werden. Auch zum „Berliner Testament“ gibt es Alternativen, die wirtschaftlich zum gewünschten Ergebnis führen, jedoch die oft katastrophalen erbschaftsteuerrechtlichen Folgen des Berliner Testaments vermeiden.

Die „steuergünstige Standardlösung” gibt es nicht. In jedem Einzelfall sind die individuellen Verhältnisse und Wünsche ebenso zu beachten, wie die sich oft ändernden steuerlichen Regelungen und die hierzu ergangene Rechtsprechung. Wer sich entschließt Vermögen zu übertragen, sollte dies gut durchdenken und sich fachlichen Rat einholen.

1. Steuerpflicht

Es gibt eine sachliche und eine persönliche Steuerpflicht. Während letztere regelt, welche Personen der Besteuerung unterliegen, bestimmt die sachliche Steuerpflicht, welche Vorgänge besteuert werden. Dabei werden die Erbschaftsteuer und die Schenkungsteuer im Grundsatz gleich behandelt. Zwischen der Besteuerung eines Erbfalls und der einer Schenkung bestehen nur bei einigen Personen Unterschiede. So beträgt beispielsweise der Freibetrag der Eltern eines Erblassers bei einem Erwerb von Todes wegen 100.000 €, während er bei einer Schenkung an die Eltern des Schenkers nur 20.000 € beträgt. 

Tipp vom Fachanwalt für Erbrecht in München

Die Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuer steht in keinem Zusammenhang mit der Einkommenssteuer. Für die Besteuerung einer Erbschaft ist es völlig gleichgültig, ob der Erbe Einkommen im Sinne des Einkommensteuergesetzes erzielt und in welcher Steuerklasse sowie in welcher Höhe er sein Einkommen versteuert.

2. Die Höhe der Schenkung- und Erbschaftsteuer

Die Höhe der Schenkung- und Erbschaftsteuer hängt nicht nur von dem zu besteuernden Vorgang ab, sondern maßgeblich von den beteiligten Personen. Deren Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser oder Schenker bestimmt nicht nur die Steuerklasse und über diese den Steuersatz, sondern auch diverse Freibeträge.

Steuerklassen

Beschenkte und Erben sind in sog. Steuerklassen eingeteilt.

Zur Steuerklasse I gehören folgende Personen: 

  • Ehegatte und der Lebenspartner.
  • Kinder und Stiefkinder.
  • Abkömmlinge der in Nummer 2 genannten Kinder und Stiefkinder.
  • Eltern und Voreltern bei Erwerben von Todes wegen.

Zur Steuerklasse II gehören folgende Personen:

  • Eltern und Voreltern, soweit sie nicht zur Steuerklasse I gehören.
  • Geschwister.
  • Abkömmlinge ersten Grades von Geschwistern.
  • Stiefeltern.
  • Schwiegerkinder.
  • Schwiegereltern.
  • Geschiedene Ehegatten und der Lebenspartner einer aufgehobenen Lebenspartnerschaft.

Zur Steuerklasse III gehören alle übrigen Erwerber und die Zweckzuwendungen.

Steuersätze

Die Steuersätze richten sich nach der Höhe des geschenkten oder ererbten Vermögens sowie nach der jeweiligen Steuerklasse. Sie sind im Folgenden tabellarisch dargestellt:

Wert des steuerpflichtigen Erwerbs 

bis einschließlich ...... € 

Vomhundertsatz in der Steuerklasse

           I                        II                      III

 

                        75.000,00

                      300.000,00

                      600.000,00

                   6.000.000,00

                 13.000.000,00

                 26.000.000,00

          über26.000.000,00

 

           7                      15                     30

         11                      20                     30

         15                      25                     30

         19                      30                     30

         23                      35                     50

         27                      40                     50

         30                      43                     50

 

Mehrere von einer Person geschenkte oder ererbte Vermögen werden zusammengerechnet, wenn sie weniger als 10 Jahre auseinander liegen. Verschenkt beispielsweise der Erblasser im Jahre 2008 eine Eigentumswohnung im steuerlich relevanten Wert von € 200.000 an seinen Sohn, verstirbt er dann im Jahr 2011 und vererbt seinem Sohn weitere € 300.000, werden die € 200.000 für die Eigentumswohnung und die € 300.000 zusammengerechnet. Dies führt dazu, dass von den € 500.000 zunächst der Freibetrag von € 400.000 abzuziehen ist und die verbleibenden € 100.000 zu versteuern sind. Lebt der Schenker jedoch noch mehr als zehn Jahre nach der Schenkung, erfolgt keine Addition von Schenkung und Erbe. Der Sohn kann dann den Freibetrag zweifach nutzen.

Freibeträge

Von einem ererbten oder geschenkten Vermögen werden zunächst sogenannten Freibeträge abgezogen. Nur der verbleibende Rest wird entsprechend den zuvor dargestellten Steuersätzen besteuert. Hierbei ist zwischen persönlichen (allgemeinen) Freibeträgen und besonderen Freibeträgen zu unterscheiden. Das Gesetz gewährt folgende persönliche Freibeträge:

Erbschaftsteuer-Klassen und –Freibeträge (Stand: 1.1.2010)

Steuerklasse

Erwerber (Beschenkter, Erbe, Vermächtnisnehmer, Pflichtteilsberechtigter etc.)

Persönlicher Freibetrag 

I

Ehegatte;

Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz

500.000 €

I

Kind und Stiefkind;

Enkel, wenn die Eltern vorverstorben sind

400.000 €

I

Enkel, wenn die Eltern noch leben

200.000 €

I

Eltern und Großeltern im Erbfall;

Urenkel und deren Abkömmlinge

100.000 €

II

Eltern und Großeltern im Falle einer Schenkung;

Geschwister;

Neffen, Nichten;

Stiefeltern;

Schwiegerkinder, Schwiegereltern;

geschiedener Ehegatte 

20.000 €

III

alle Übrigen (auch Paare ohne Trauschein)

20.000 €

Zuzüglich zu diesen persönlichen Freibeträgen haben einige Personen einen besonderen Versorgungsfreibetrag. So können der Ehegatte und der Lebenspartner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft einen Versorgungsfreibetrag von bis zu 256.000 € geltend machen. Dieser Freibetrag kann jedoch nur insoweit geltend gemacht werden, als er nicht durch den Kapitalwert von Versorgungsbezügen gekürzt wird, die nicht der Erbschaftsteuer unterliegen. Auch Kinder können einen Versorgungsfreibetrag geltend machen, wobei die jeweiligen Höchstgrenzen vom Alter des Kindes abhängen.

Steuerbefreiungen

Für bestimmte Vermögensgegenstände sieht das Gesetz eine sachliche Steuerbefreiung vor, welche für den betroffenen Gegenstand entweder zu einer vollständigen Freistellung führen oder zu einer Befreiung bis zu einem bestimmten Höchstbetrag. Die in der Praxis häufigsten Steuerbefreiungen betreffen folgende Gegenstände:

  • Hausrat einschließlich Wäsche- und Kleidungsstücke ist bei einem Erwerb durch Personen der Steuerklasse I bis zu einem Betrag von 41.000 € steuerfrei und bei Erwerbern der Steuerklasse II und III bis zu einem Wert von 12.000 €. Sonstige bewegliche körperliche Gegenstände sind für Erwerber der Steuerklasse I bis zu 12.000 € steuerfrei.
  • Zuwendungen von bis zu 20.000 € sind an Personen steuerfrei, die den Erblasser unentgeltlich oder gegen eine nicht ausreichende Bezahlung gepflegt oder unterhalten haben.
  • Zuwendungen an Religionsgemeinschaften und steuerbegünstigte gemeinnützige oder mildtätige Körperschaften sind steuerfrei.

Weitere sachliche Steuerbefreiungen gewährt das Gesetz unter bestimmten Umständen auf selbst genutzte Immobilien und auf Betriebsvermögen. So kann ein Ehepartner dem anderen zu Lebzeiten sein „Familienheim“ steuerfrei zuwenden, wenn das Haus oder die Wohnung den Mittelpunkt des familiären Lebens zu eigenen Wohnzwecken bildet und sich in einem Mitgliedstaat der europäischen Union oder in einem Staat des europäischen Wirtschaftsraums befindet.

Aktuelle Rechtsprechung

Tipp vom Fachanwalt für Erbrecht in München

Die Steuerbefreiung bei der Übertragung einer zu Wohnzwecken genutzten Immobilie unter Lebenden an den Ehegatten ist nicht mit der steuerlich privilegierten Übertragung der selbstgenutzten Immobilie im Todesfall zu verwechseln.

Was unsere Fachanwälte für Sie tun können:

  • Wir beraten Sie in Fragen der Erbschaft- und Schenkungsteuer und ermitteln die für Sie steueroptimale Lösung. Hierbei berechnen wir nicht nur mögliche Lösungen, sondern setzen das gewünschte Ergebnis vollständig um, einschließlich der erforderlichen Testaments- und/oder Vertragsgestaltungen und der Abgabe der Steuererklärungen.
  • In streitigen Auseinandersetzungen mit dem Finanzamt über erbschaftsteuerliche oder schenkungsteuerliche Fragen und Bewertungen vertreten wir Sie im finanzgerichtlichen Verfahren.  

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