Advocatio Rechtsanwälte in München
Text drucken08.09.2013

Testamentarischer Ersatzerbe ist im Zweifel kein Nacherbe

Eine Erblasserin hatte in einem eigenhändigen Testament verfügt, dass ihr Sohn A alleiniger Erbe werden soll. Für den Fall eines kinderlosen Versterbens des A solle ihr Sohn B „Ersatzerbe“ sein. Fraglich war, ob in der Bestimmung zum „Ersatzerben“ auch eine Vor- und Nacherbschaft für den Fall zu sehen ist, dass der Sohn A nicht vor der Erblasserin stirbt, sondern nach dieser kinderlos verstirbt.

 

Das OLG Hamm verneint mit Beschluss vom 18.07.2013 - I-15 W 88/13 eine solche Vor- und Nacherbschaft. Zwar lasse sich nach dem laienhaften Wortverständnis der Erblasserin mit dem Begriff des Ersatzerben auch noch eine Vor- und Nacherbschaft in Einklang bringen. Das Testament lasse jedoch nicht erkennen, dass die Erblasserin die mit der Vor- und Nacherbschaft verbundene Separierung des Nachlasses vom sonstigen Vermögen des Vorerben gewollt hätte. Auch sei nicht erkennbar, dass die Erblasserin ihren Erben mit den gesetzlichen Verfügungsbeschränkungen des Vorerben hätte belasten wollen.

 

Expertentipp: Die Entscheidung des OLG Hamm zeigt erneut, wie wichtig eine präzise Formulierung und die Einhaltung der erbrechtlichen Terminologie bei der Erstellung eines Testamentes ist. Auch zeigt sie, dass Laien ohne eine erbrechtliche Beratung oft nicht alle zu regelnden Konstellationen bedenken und in ihre letztwillige Verfügung aufnehmen.

Ludger Bornewasser, Fachanwalt für Erbrecht, München




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