Advocatio Rechtsanwälte in München
Text drucken03.10.2017
Formvorschriften für das privatschriftliche Testament

Von einem Rechtshänder mit der linken Hand geschriebenes Testament ist wirksam

Auch ein mit der linken Hand geschriebenes Testament kann bei einer Lähmung der rechten Hand gültig sein. So das Oberlandesgericht Köln mit Beschluss vom 03.08.2017, Az.: 2 Wx 149/17 (FD-ErbR 2017, 394762, beck-online).

Der Entscheidung lag ein Testament zugrunde, welches der Erblassers mit der linken Hand verfasste, nachdem er eine Lähmungen seines rechten Arms erlitten hatte. Streitig war, ob ein nach dieser Lähmung mit der linken Hand verfasstes Testament wirksam errichtet war. Da der Erblasser grundsätzlich Rechtshänder war und nur wegen der Lähmung der rechten Hand mit der linken Hand geschrieben hatte, konnten gerichtlich bestellte Schriftsachverständige nicht mit Sicherheit bestätigen, dass das Testament vom Erblasser stammt, weil es kein geeignetes Vergleichsmaterial von Schriftstücken mit der linken Hand des Erblassers gab. Da das Testament jedoch in Gegenwart von Zeugen verfasst wurde, konnten diese bestätigen, dass der Erblasser es geschrieben hatte. Das Gericht folgte diesen Zeugenaussagen zur Testamentserrichtung und stellte klar, dass ein mit der linken Hand geschriebenes handschriftliches Testament auch dann gültig ist, wenn der Erblasser zwar üblicherweise mit der rechten Hand geschrieben habe, hierzu aber aufgrund der Lähmung des rechten Arms nicht mehr in der Lage gewesen sei.

Das eigenhändige Testament

Auch im Zeitalter von PCs, Tabletts und Handys bedarf es für ein sogenanntes eigenhändiges Testament (auch privatschrifliches Testament genannt) gemäß § 2247 BGB immer noch eines handgeschriebenen Textes. Wie der Name „eigenhändiges Testament“ schon sagt, muss ein Erblasser hierfür jeweils sein gesamtes Testament per Handschrift schreiben und unterschreiben. Hierbei sollte er möglichst auch den Ort und das Datum der Errichtung benennen.

Wie die Entscheidung des OLG Köln zeigt, ist die handschriftliche Erfassung des Testaments insbesondere für den Nachweis von Bedeutung, dass das Testament tatsächlich vom Erblasser stammt.

Das öffentliche Testament

Eine andere Möglichkeit, ein Testament zu errichten, ist die Errichtung über einen Notar. In einem solchen Fall eines sogenannten öffentlichen Testaments im Sinne des § 2232 BGB erfasst der Notar zunächst den Willen des Erblassers und formuliert ihn in einer notariellen Urkunde. Wirksam wird das Testament dann durch die Beurkundung, somit durch das Vorlesen des Textes durch den Notar und die daran anschließende Unterzeichnung der Urkunde vor dem Notar.

Vor und Nachteile der unterschiedlichen Testamentsformen

Zunächst ist festzustellen, dass das privatschriftliche Testament und das öffentliche Testament gleich wirksam sind. Es besteht somit kein Rangverhältnis zwischen den unterschiedlichen Formen. So kann  beispielsweise ein privatschriftliches Testament durch ein späteres öffentliches Testament widerrufen werden und umgekehrt auch ein öffentliches Testament durch ein späteres privatschriftliches Testament. Oft ist es eine Frage des Aufwandes und der Kosten, ob Personen ein handschriftliches Testament oder ein notarielles Testament erstellen. Das handschriftliche Testament ist etwas mühselig, wenn es sich um einen sehr langen Text handelt, der vollständig per Hand geschrieben werden muss. Andererseits erspart das handschriftliche Testament die für ein öffentliches Testament anfallenden Notargebühren. Gerade bei größeren Vermögen, wie sie in strukturstarken Gebieten allein aufgrund der Immobilien oft vorliegen, lassen sich durch ein handschriftliches Testament oft erhebliche Notargebühren ersparen. Andererseits hat das notarielle Testament gewisse Vorteile. So kann man dem Erben oft durch das notarielle Testament die Beantragung eines Erbscheins ersparen, weil das notarielle Testament einen solchen Erbschein ersetzen kann.

Unterschrift des Testaments mit Ort und Datumsangabe

Das vom Erblasser handgeschriebene Testament muss von diesem auch unterzeichnet werden. Dabei hat die Unterschrift unter den gesamten Text zu erfolgen. Bloße Selbstbenennungen zu Beginn des Testamentstextes reichen nicht aus. Vielmehr soll durch die Unterzeichnung unter den gesamten Text klargestellt werden, dass das Testament fertig ist und so wirksam sein soll. Dies ist die sogenannte Abschlussfunktion der Unterschrift.

Zudem bestimmt § 2247 BGB, dass der Erblasser bei der Errichtung des Testamentes den Ort und das Datum der Errichtung angegeben soll. Diese Angaben sind dann erforderlich, wenn beispielsweise aufgrund der Tatsache, dass mehrere Testamente vorhanden sind, festzustellen ist, welches Testament das spätere und damit wirksame sein soll. Liegen mehrere Testamente vor und fehlen Angaben zum Ort und zur Zeit der Errichtung und kann der Zeitpunkt der Errichtung auch nicht anderweitig festgestellt werden, sind letztlich beide Testamente unwirksam.

Expertentipp

Die vorangehenden Darlegungen zeigen, dass ein handschriftliches Testament leicht und kostengünstig erstellt werden kann. Wichtig ist allein, den gesamten Text handschriftlich zu schreiben und mit Ort und Datum versehen zu unterschreiben. Da die Handschrift einen späteren Nachweis der Echtheit der Unterschrift ermöglichen soll, soll der Erblasser sein Testament so schreiben, wie er üblicherweise schreibt.

Fragen zur Form des Testaments sind aus diesem Grunde in der Praxis auch eher selten. Schwierigkeiten und Streitigkeiten findet man in der anwaltlichen Praxis eher zu Fragen des Inhalts eines Testaments. Gerade privatschriftliche Testamente, die ohne jede anwaltliche Beratung oder Unterstützung verfasst worden sind, begründen häufig Streitigkeiten unter den möglichen Erben aufgrund von missverständlichen oder rechtlich fehlerhaften Formulierungen. Derartige Streitigkeiten wären oft leicht mit einer Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht oder auch eine Formulierung der gewünschten Regelungen durch diesen vermieden worden.

Mitgeteilt von Ludger Bornewasser, Fachanwalt für Erbrecht, München




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