Advocatio Rechtsanwälte in München
Text drucken20.02.2017
Testament - Widerruf

Keine Vermutung des Widerrufs bei Unauffindbarkeit eines Testamentes.

Widerruf eines Testaments

Der Erblasser kann ein von ihm errichtetes Testament gem. § 2253 BGB vollständig oder auch nur in einzelnen Passagen jederzeit widerrufen:

  • Dies geschieht im Regelfall durch die Errichtung eines neuen Testamentes (§ 2254 BGB).
  • Gem. § 2058 BGB wird ein früheres Testament auch durch ein später errichtetes Testament aufgehoben, aber nur dann, wenn das spätere Testament mit dem früheren inhaltlichen Widerspruch steht.

Beispiel: Der Erblasser hat in seinem Testament aus dem Jahr 2000 seine Tochter und seinen Sohn als Miterben zu gleichen Teilen eingesetzt. Im Jahr 2010 errichtet der Erblasser sein Testament, wonach seine Tochter Alleinerbe sein soll. Die Alleinerbeneinsetzung der Tochter steht im Widerspruch zur früheren Miterbeneinsetzung der Tochter, die damit gem. § 2058 BGB widerrufen ist.

  • Der Widerruf eines Testamentes ist gem. § 2255 BGB weitermöglich durch Vernichtung des früheren Testamentes.

Unauffindbarkeit des Testaments

Handschriftliche Testamente im Sinne des § 2257 BGB die vom testierenden Erblasser nicht in eine gerichtliche Verwahrung gegeben worden sind, sind nach Eintritt des Erbfalls manchmal nicht auffindbar. Das OLG Köln hatte in seinem Beschluss vom 02.12.2016 (2 Wx 50/16 = BeckRS 2016, 20866) über die Frage zu entscheiden, ob allein auf Grund der Unauffindbarkeit eines Testamentes vermutet werden darf, dass es vom Erblasser vernichtet worden und deshalb gem. § 2255 BGB als widerrufen anzusehen ist. Das OLG Köln hat dies verneint, da auch (Original -) Testamente unbeabsichtigt verlegt oder entsorgt werden. Ein nicht mehr vorhandenes Testament ist also nicht allein wegen seiner Unauffindbarkeit ungültig.

Expertentipp von Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht: Um den Verlust eines privatschriftlichen Testamentes zu vermeiden, ist dem Testierenden zu raten, dieses beim örtlich zuständigen Nachlassgericht in Verwahrung zu geben. Für diese Verwahrung wird eine einmalige Gebühr in Höhe von € 75,00 erhoben. Dazu kommt noch die einmalige Gebühr für die Registrierung der Hinterlegung beim zentralen Testamentsregister in Berlin in Höhe von € 18,00. Notarielle Testamente sowie Erbverträge werden von den Notaren in Verwahrung gegeben. Weitere Informationen zum zentralen Testamentsregister finden sich unter www.testamentsregister.de.

Kopien des Testaments als Beweismittel?

Sind von einem Originaltestament nach dem Erbfall nur noch Fotokopien vorhanden, so können diese zum Nachweis der Errichtung eines wirksamen Testamentes herangezogen werden (vgl. OLG Düsseldorf, Beschluss vom 16.11.2016 – I-R Wx 250/15 = BeckRS 2016, 110184). Das Nachlassgericht hat in diesem Fall zu überprüfen, ob das Schriftstück, von dem die Fotokopien gezogen wurden, mit Testierwillen errichtet wurde. Geprüft werden muss weiter – gegebenenfalls durch Einholung eines Sachverständigengutachtens – ob das den Fotokopien zu Grunde liegende, nicht mehr auffindbare Schriftstück tatsächlich vom Erblasser errichtet wurde. Auf Grund der vorhandenen Kopien muss sich der Gesamtinhalt des vom Erblasser errichteten Testamentes zuverlässig ermitteln lassen.

Bernhard F. Klinger, Fachanwalt für Erbrecht, empfiehlt deshalb denjenigen Testierenden, die Testamente nicht in eine gerichtliche Verwahrung geben wollen, vom Originaltestament 1 - 2 Fotokopien anzufertigen, diese Kopien auf jeder Seite rechts unten handschriftlich mit Ort, Datum, Vor- und Familienname zu unterzeichnen und diese Kopien räumlich getrennt vom Originaltestament (z. B. bei Vertrauenspersonen) zu verwahren. 




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