Die Vergütung des Testamentsvollstreckers

Jedes Testament sollte genau festlegen, welche Befugnisse ein Testamentsvollstrecker hat und welche Vergütung ihm für seine Tätigkeit zusteht. Nur so lässt sich Streit zwischen dem Testamentsvollstrecker und den Erben vermeiden.

IN DIESEM KAPITEL ERFAHREN SIE:

Wie die Höhe der Vergütung eines Testamentsvollstreckers ermittelt wird und was bei der Errichtung eines Testaments zu beachten ist, um Streit zwischen den Erben und dem Testamentsvollstrecker zu vermeiden.

Beispielfall: Die Vergütung des Testamentsvollstreckers

Daniel Feldmann, geschieden, setzt seine beiden minderjährigen Kinder Fabienne und Hans-Joachim testamentarisch als Miterben zu gleichen Teilen ein und ordnet verschiedene Vermächtnisse an. Seinen Freund Felix Forster setzt er als Testamentsvollstrecker mit der Aufgabe ein, seine Anordnungen auszuführen und die Nachlasswerte zu verkaufen.

Anschließend soll der Nachlass vom Testamentsvollstrecker bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres des jüngsten Kindes verwaltet werden. Als Daniel Feldmann bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt, ist sein Sohn Hans-Joachim 17 Jahre und seine Tochter Fabienne 19 Jahre alt. Herr Feldmann hinterlässt ein Einfamilienhaus im Wert von 600.000 €, Erspartes im Wert von 100.000 € und Bankverbindlichkeiten von 50.000 €.

Sein Freund Felix erklärt gegenüber dem Nachlassgericht, dass er das Amt des Testamentsvollstreckers annimmt, beantragt ein Testamentsvollstreckerzeugnis und macht sich zügig an die Erledigung seiner Aufgaben. Nachdem er ein Nachlassverzeichnis ausgearbeitet und den beiden Miterben übersandt hat, begleicht er aus den Barmitteln die Bankverbindlichkeiten. Nach einigen Monaten verkauft er die Nachlassimmobilie für 600.000 €. Die danach vorhandenen Barmittel von 650.000 € legt er zu einem vernünftigen Zins für die nächsten Jahre an.

Als Felix Forster nach dem Verkauf des Hauses seine Testamentsvollstreckervergütung aus dem Nachlass entnehmen will, entgegnen die beiden Miterben, dass die Tätigkeit als Testamentsvollstrecker doch wohl ein „Freundschaftsdienst“ gewesen sei und deshalb hierfür kein Lohn verlangt werden könne. Die beiden Kinder sehen auch nicht ein, warum Felix Forster die Kosten für die Erstellung der Erbschaftsteuererklärung durch einen Steuerberater in Höhe von 1.200 € aus dem Nachlass bezahlen möchte. Verunsichert wendet sich Herr Forster an einen Fachanwalt für Erbrecht und fragt um Rat.

Das Problem

Hat der Erblasser – wie im Fall von Daniel Feldmann – in seiner Verfügung von Todes wegen keine Vorgaben zur Testamentsvollstreckervergütung gemacht, so steht ihm kraft Gesetzes eine angemessene Vergütung zu. Die Rechtsprechung berücksichtigt bei der Feststellung der „Angemessenheit“ folgende Gesichtspunkte:

  • Umfang und Wert des Nachlasses
  • Besonderheiten der Tätigkeiten und Geschäfte
  • Dauer der Testamentsvollstreckung
  • Einbringung besonderer Kenntnisse und Erfahrungen des Testamentsvollstreckers
  • Zahl und Alter der Beteiligten
  • Erfolg der Tätigkeit des Testamentsvollstreckers
  • Steuerbelastung der Vergütung mit Umsatzsteuer

In der Praxis haben Juristen bereits seit dem Jahre 1925 versucht, durch Vergütungstabellen die Ermittlung der angemessenen Höhe zu erleichtern. Der Deutsche Notarverein empfiehlt eine praxiserprobte Vergütungsregelung, die von der Rechtsprechung als „angemessen“ anerkannt ist und im Testament als Basis für die Vergütung zitiert werden kann.

Nach diesen Empfehlungen beträgt der Vergütungsgrundbetrag abhängig von der Nachlasshöhe:

bis 250.000 € 4,0 Prozent des Nachlasses
bis 500.000 € 3,0 Prozent des Nachlasses
bis 2.500.000 € 2,5 Prozent des Nachlasses
bis 5.000.000 € 2,0 Prozent des Nachlasses
über 5.000.000 € 1,5 Prozent des Nachlasses

Für eine danach sich anschließende Verwaltungstätigkeit erhält der Testamentsvollstrecker zusätzlich jährlich ein drittel bis ein halbes Prozent des Nachlasswertes. Berechnungsgrundlage ist der sogenannte Aktivnachlass, das heißt: Nachlassverbindlichkeiten werden vor Berechnung der Vergütung nicht in Abzug gebracht. Die Vergütung ist – wenn der Testierende nichts anderes bestimmt hat – erst mit Erfüllung aller Aufgaben des Testamentsvollstreckers zur Zahlung fällig.

Der Aufwendungsersatzanspruch des Testamentsvollstreckers

Neben der Vergütung kann der Testamentsvollstrecker den Ersatz seiner Aufwendungen beanspruchen, die er den Umständen nach für erforderlich halten durfte. Aus der Pflicht, den Nachlass ordnungsgemäß zu verwalten, folgt, dass der Testamentsvollstrecker für Aufgaben, die er nicht aus eigener Kenntnis bewältigen kann, Fachleute hinzuzuziehen hat. Jedoch muss ein Rechtsanwalt, der im Zuge der Testamentsvollstreckung eine Vermögensverwaltung zu managen hat, damit rechnen, dass von ihm die Erledigung einfacher Steuerangelegenheiten erwartet wird. Nur dann, wenn komplizierte Fachfragen zu beantworten sind, kann der Anwalt einen Spezialisten hinzuziehen und die hierfür aufgewendeten Kosten dem Nachlass entnehmen.

Die Lösung

Berechnungsgrundlage für die Höhe der Testamentsvollstreckervergütung ist der Aktivnachlass in Höhe von 700.000 €; die Nachlassverbindlichkeiten von 50.000 € werden nicht abgezogen. Nachdem Franz Forster seine wesentlichen Aufgaben erfüllt hat (der Nachlass schuldenfrei gestellt und die Nachlassimmobilie veräußert ist), kann er nach der Tabelle des Deutschen Notarvereins eine Vergütung von 2,5 Prozent von 700.000 €, also 17.500 €, dem Nachlass entnehmen. Daneben steht ihm wegen der verauslagten Steuerberaterkosten ein Aufwendungsersatz in Höhe von 1.200 € zu. Für die Dauer der weiteren Verwaltungstätigkeit bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres des jüngsten Miterben kann er jährlich 0,33 bis 0,5 Prozent aus dem Nachlasswert entnehmen.

Hält sich Franz Forster nicht an diese Angaben und entnimmt er dem Nachlass zu viel Vergütung, können die Erben auf Rückzahlung der zu viel entnommenen Vergütung klagen.

TIPP VOM FACHANWALT FÜR ERBRECHT AUS MÜNCHEN

Ein langwieriger Streit ums Erbe, der vor Gericht ausgefochten werden muss, verschlingt im Durchschnitt mindestens zehn Prozent des Nachlasswertes in Form von Gerichts-, Anwalts- und Sachverständigenkosten. Die Anordnung einer Testamentsvollstreckung schützt die Familie nicht nur vor Streit und Ärger, sondern spart in der Regel solche Kosten komplett ein.