Aufgaben des Testamentsvollstreckers

Der Testamentsvollstrecker hat kraft Gesetzes verschiedene Pflichten. Verletzt er diese Pflichten gegenüber den Erben, so haftet er für etwaige Schäden mit seinem Privatvermögen.

IN DIESEM KAPITEL ERFAHREN SIE:

Welche Pflichten der Testamentsvollstrecker mit Annahme des Amtes übernimmt und in welchen Fällen er sich gegenüber den Erben schadenersatzpflichtig macht.

Beispielfall: Aufgaben und Haftung des Testamentsvollstreckers

Dieter Lengefeld hat seine beiden Kinder aus erster Ehe, Daniela und Steffen, testamentarisch als Miterben zu gleichen Teilen eingesetzt und seiner zweiten Ehefrau Ines Overmann ein lebenslanges Wohnrecht an seinem Einfamilienhaus in Oberbayern sowie die Hälfte seines gesamten Geldvermögens im Wege eines Vermächtnisses zugewendet.

Weiter heißt es in seinem Testament wörtlich:

Ich ordne Testamentsvollstreckung an. Der Testamentsvollstrecker hat die Aufgabe, meine testamentarischen Anordnungen auszuführen und den Nachlass abzuwickeln.

Zum Testamentsvollstrecker bestimme ich meine Ehefrau Ines Overmann mit dem Recht, einen Nachfolger zu bestimmen. Ich ordne an, dass der Testamentsvollstrecker eine angemessene Vergütung erhält, die sich im Zweifel an den Richtlinien des Deutschen Notarvereins orientiert.

Nach dem Ableben von Dieter Lengefeld sind seine Kinder wegen der angeordneten Vermächtnisse und der Testamentsvollstreckung sehr verärgert. Noch am Friedhof drohen sie Ines Overmann, gegen die Verwaltung des väterlichen Nachlasses durch sie, die Stiefmutter, alle Hebel in Bewegung zu setzen. Eingeschüchtert durch diese Drohungen sucht Frau Overmann wenige Tage nach dem Erbfall einen Münchener Erbrechtsspezialisten auf.

Das Problem

Der Erbrechtsexperte erklärt Frau Overmann zunächst, welche Verpflichtungen sie übernimmt, wenn sie das Amt der Testamentsvollstreckerin annehmen sollte:

Erstellung eines Nachlassverzeichnisses

Zunächst muss der Testamentsvollstrecker den Erben unverzüglich – das heißt, sofort nach dem Erbfall und sobald er den Umfang des Vermögens übersieht – ein Verzeichnis über die zum Nachlass gehörenden Vermögensgegenstände und die möglichen Schulden des oder der Verstorbenen zukommen lassen. Jeder Erbe kann verlangen, dass er bei der Aufstellung des Nachlassverzeichnisses hinzugezogen wird.

Auskunfts- und Rechenschaftspflicht

Der Testamentsvollstrecker ist den Erben gegenüber verpflichtet, Auskünfte über seine Tätigkeit zu geben und am Ende Rechenschaft abzulegen. Ein Recht auf Zustimmung des oder der Erben zu einzelnen Maßnahmen der Vermögensverwaltung gibt es hingegen nicht. Ein Testamentsvollstrecker tut jedoch gut daran, vor dem Abschluss größerer Geschäfte die Zustimmung der Erben einzuholen. Am Ende seines Amtes ist er rechenschaftspflichtig, und für grobe Fehler haftet er persönlich gegenüber den Erben.

Sorgfältige Nachlassverwaltung

Der Testamentsvollstrecker muss sein Amt gewissenhaft und sorgfältig führen und das ihm anvertraute Vermögen nicht nur erhalten, sondern möglichst auch vermehren. Schenkungen darf der Testamentsvollstrecker nicht vornehmen, es sei denn, es handelt sich um Anstands- oder Pflichtschenkungen. Der Testamentsvollstrecker darf auch keine Geschäfte mit sich selbst abschließen, also keine Gegenstände aus dem Nachlass käuflich erwerben, es sei denn, dies wird ihm durch das Testament des Erblassers gestattet.

Abgabe der Erbschaftsteuererklärung

Der Testamentsvollstrecker hat die Erbschaftsteuererklärung auf einem amtlichen Vordruck beim zuständigen Erbschaftsteuerfinanzamt abzugeben. Er muss dabei die Erben auch im Hinblick auf lebzeitige Schenkungen des Erblassers befragen und entsprechende Informationen in die Erbschaftsteuererklärung mit aufnehmen.

Bezahlung der Erbschaftsteuer

Der Testamentsvollstrecker hat auch für die Bezahlung der Erbschaftsteuer zu sorgen. Er hat das Recht, den erforderlichen Betrag aus dem Nachlass zu nehmen.

Die Haftung des Testamentsvollstreckers

Der Erbrechtsexperte weist Ines Overmann weiter darauf hin, dass sie sich den Erben gegenüber schadenersatzpflichtig macht, wenn sie ihre Pflichten als Testamentsvollstreckerin schuldhaft verletzt und hieraus den Erben ein Schaden entsteht. Der gesetzlich niedergelegte Grundsatz der ordnungsgemäßen Verwaltung verpflichtet den Testamentsvollstrecker zu besonderer Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt.

An die Ordnungsmäßigkeit der Verwaltung sind stets strenge Anforderungen zu stellen. Allerdings hat die Rechtsprechung anerkannt, dass der Testamentsvollstrecker bei der Nachlassverwaltung weithin nach seinem Ermessen entscheiden kann und nur dann pflichtwidrig handelt, wenn er die Grenzen des ihm eingeräumten Ermessens überschreitet.

Die Lösung

Frau Overmann kommen Bedenken wegen der umfangreichen Verpflichtungen. Sie fragt den Erbrechtsspezialisten, ob er sie im Rahmen der Testamentsvollstreckertätigkeit beraten kann. Der  Münchener Fachanwalt für Erbrecht bestätigt, dass Frau Overmann bei der Erledigung einzelner Aufgaben einen sachkundigen – rechtlichen oder steuerlichen – Berater hinzuziehen könne.

Er macht ihr auch klar, dass die hierfür anfallenden Kosten aus dem Nachlass (also nicht aus dem Privatvermögen von Frau Overmann) zu begleichen sind. Der Erbrechtsexperte weist die Witwe des Weiteren darauf hin, dass sie keine vollständige Delegation der Testamentsvollstreckertätigkeit auf eine andere Person vornehmen kann. Falls sie sich generell der Erfüllung ihrer Aufgaben als Testamentsvollstreckerin nicht gewachsen fühle, müsse sie die Annahme dieses Amtes ablehnen oder – falls das Testament diese Möglichkeit ausdrücklich beinhalte – einen Nachfolger benennen.

Frau Overmann, die selbst schon knapp 70 Jahre alt und körperlich nicht mehr ganz gesund ist, möchte sich nicht der Gefahr langwieriger Streitigkeiten mit den Stiefkindern aussetzen. Sie teilt deshalb dem Nachlassgericht schriftlich mit, dass sie nach dem Testament ihres verstorbenen Mannes einen Nachfolger benennen kann und dies Herr Rechtsanwalt Max Klug sein soll. Der Anwalt nimmt das Amt des Testamentsvollstreckers an, erstellt unverzüglich ein Nachlassverzeichnis, begleicht offene Nachlassverbindlichkeiten und erfüllt die beiden Vermächtnisse zugunsten von Frau Overmann.

Die Witwe erhält also das zugewendete Geldvermögen und eine Eintragung des Wohnrechts im Grundbuch. Da der Fachanwalt für Erbrecht von Berufs wegen mit Zahlen gut umgehen kann, bereitet es ihm keine Schwierigkeiten, die von den Erben Daniela und Steffen später geforderte Rechenschaftslegung in ordnungsgemäßer und nachprüfbarer Form zu erteilen. Er wickelt den Nachlass ab und entnimmt – nachdem er alle Aufgaben erfüllt hat – seine Testamentsvollstreckervergütung aus dem Nachlass.

TIPP VOM FACHANWALT FÜR ERBRECHT AUS MÜNCHEN

Wegen des beträchtlichen Haftungsrisikos sollte der Testamentsvollstrecker eine Vermögenshaftpflichtversicherung mit ausreichender Deckungssumme (mindestens 1 Mio. €) abschließen. Rechtsanwälte, die das Amt des Testamentsvollstreckers ausüben, sind von Berufs wegen pflichtversichert.