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Das Erbrecht der Verwandten

Welche Personen miteinander verwandt sind, regelt das Familienrecht in den §§ 1589 ff. BGB. Danach sind Personen, die voneinander abstammen, in gerader Linie verwandt. Ein Vater ist somit verwandt mit seinem Kind, seinen Enkelkindern, seinen Urenkelkindern und so weiter. Mutter eines Kindes ist nach § 1591 BGB die Frau, die es geboren hat. Die Abstammung vom Vater (§ 1592 BGB) kann durch drei Umstände begründet werden:

  • Der Mann ist zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet. Ist er nicht der Vater des Kindes, muss im Wege einer Anfechtungsklage rechtskräftig festgestellt werden, dass das Kind nicht von ihm abstammt. Nur so kann die gesetzliche Regelung der Abstammung beseitigt werden (§ 1599 Absatz 1 BGB).
  • Der Mann erkennt die Vaterschaft an.
  • Die Vaterschaft wird gerichtlich festgestellt. 

Personen, die nicht in gerader Linie verwandt sind, aber von derselben dritten Person abstammen, sind in der Seitenlinie verwandt. Geschwister sind somit in der Seitenlinie verwandt, weil sie von den gleichen Personen, nämlich ihren Eltern, abstammen. 

Der Grad einer Verwandtschaft bestimmt sich nach der Zahl, der sie vermittelnden Geburten (§ 1589 Satz 3 BGB). Geschwister sind somit im zweiten Grade in der Seitenlinie verwandt, da jeweils zwei Geburten erforderlich waren, um die Verwandtschaft herzustellen. Ein Neffe ist mit seinem Onkel im dritten Grade verwandt, da drei Geburten, nämlich die des Onkels, die seines Vaters oder seiner Mutter und seine eigene Geburt erforderlich waren, um eine Verwandtschaft zum Onkel zu begründen. 

1. Blutsverwandtschaft und Adoption

Blutsverwandt sind medizinisch miteinander verwandte Personen. Für das Erbrecht werden adoptierte Kinder im Sinne der §§ 1741 ff. BGB den leiblichen Kindern weitestgehend gleichgestellt sind.

Tipp vom Fachanwalt für Erbrecht

Stiefkinder oder Personen, die mit dem Erblasser lediglich verschwägert sind (§ 1590 BGB), gehören nicht zum Kreis der gesetzlichen Erben.

2. Erbrecht nach Ordnungen

Das Erbrecht der Verwandten bestimmt sich nach sogenannten Ordnungen. Diesen ordnet das BGB alle Verwandten des Erblassers zu. 

Übersicht „Gesetzliches Erbrecht der Verwandten“

Erben 1. Ordnung:

Abkömmlinge des Erblassers, das heißt die Kinder, Enkel, Urenkel, Ur-Urenkel

§ 1924 BGB

Erben 2. Ordnung:

Eltern und deren Abkömmlinge, das heißt die Geschwister, Neffen und Nichten, Großneffen und Großnichten des Erblassers

§ 1925 BGB

Erben 3. Ordnung:

Großeltern und deren Abkömmlinge, das heißt Onkel und Tanten, Cousins und Cousinen des Erblassers

§ 1926 BGB

Erben 4. Ordnung:

Urgroßeltern und deren Abkömmlinge

§ 1928 BGB

Erben 5. und fernerer Ordnungen:

Ur-Urgroßeltern und entferntere Verwandte

§ 1929 BGB

3. Rangfolge der Ordnungen

Vorrang haben immer die Erben der niedrigsten Ordnung, die den Erblasser überleben (sogenannte Sperrwirkung gemäß § 1930 BGB). Hat der Verstorbene Kinder, werden diese Erben (gegebenenfalls zusammen mit dem Ehepartner). Alle anderen Verwandten entfernterer Ordnungen sind in diesem Fall von der Erbfolge ausgeschlossen. Wer weder Kinder, noch Ehegatten hat, vererbt sein Vermögen seinen Eltern und – wenn diese bereits verstorben sind – seinen Geschwistern, wiederum ersatzweise den Neffen und Nichten.

Beispiel

In einer Drei-Generationenfamilie, bestehend aus Vater, Mutter, Kind und Großvater, stirbt der Vater. Erben werden die Mutter als Ehefrau des Verstorbenen und das Kind. Der Großvater kommt als Verwandter der zweiten Ordnung bei der Erbfolge nicht zum Zuge, weil das Kind, als Erbe in der ersten Ordnung, Personen entfernterer Ordnungen von der Erbfolge ausschließt.

4. Erbrechtsprinzipien innerhalb der Ordnungen

Sind in einer Ordnung mehrere Personen vorhanden, so bestimmt sich die Erbfolge innerhalb einer Ordnung nach verschiedenen Prinzipien:

a) Repräsentationsprinzip und Stammesprinzip

  • Das Repräsentationsprinzip besagt, dass eine mit dem Erblasser verwandte Person als Erbe alle von ihm abstammenden Personen von der Erbfolge ausschließt (§ 1924 Absatz 2 BGB). 
  • Das Stammesprinzip regelt, dass jedes Kind und Kindeskind des Erblassers hinsichtlich aller von ihm abstammenden Personen einen eigenen Stamm bildet (§ 1924 Absatz 3 BGB). Das Stammesprinzip ist in Verbindung mit dem Repräsentationsprinzip zu sehen und führt mit diesem dazu, dass ein zur Zeit des Erbfall lebendes „Stammoberhaupt“, die durch ihn mit dem Erblasser verwandten Abkömmlinge, von der Erbfolge ausschließt. Lebt das „Stammoberhaupt“ nicht mehr oder schlägt es die Erbschaft aus, treten an seine Stelle die durch ihn mit dem Erblasser verwandten Abkömmlinge. 

Beispiel

Die Erblasserin hinterlässt einen Sohn und eine Tochter, die wiederum jeweils zwei eigene Kinder haben. Nach dem Tod der Erblasserin erben der Sohn und die Tochter zu gleichen Teilen (§ 1924 Absatz 4 BGB). Sie schließen als Repräsentanten ihres jeweiligen Stammes die durch sie mit der Erblasserin verwandten Personen ? also die Enkelkinder der Erblasserin ? von der Erbfolge aus. Wäre hingegen die Tochter bereits vor ihrer Mutter verstorben, würden deren zwei Kinder an ihre Stelle treten (§ 1924 Absatz 3 BGB). Es entstände damit eine Erbengemeinschaft, bestehend aus dem Sohn der Erblasserin mit einer Erbquote von ein Halb und den beiden Enkelkindern mit einer Erbquote von je einem Viertel.

Das Repräsentationsprinzip und das Stammesprinzip gelten in den in der ersten, der zweiten und der dritten Ordnung uneingeschränkt. Ab der vierten Ordnung gelten sie nur eingeschränkt neben dem nachfolgend beschriebenen Gradualprinzip. 

b) Gradualprinzip

Das Gradualprinzip bestimmt die Erbfolge nach dem Grad der Verwandtschaft und besagt, dass eine mit dem Erblasser näher verwandte Person alle entfernter verwandten Personen von der Erbfolge ausschließt. Gleich nahe Verwandte erben zu gleichen Teilen (§ 1928 Absatz 3 BGB). Das Gradualprinzip kommt in der vierten Ordnung sowie in entfernteren Ordnungen zur Anwendung.

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