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Berechnung des Pflichtteilsanspruchs

Das Pflichtteilsrecht ist kein echtes „Noterbrecht“. Es führt nicht dazu, dass der Pflichtteilsberechtigte in Höhe seiner Pflichtteilsquote Miterbe wird. Vielmehr gewährt das Gesetz lediglich einen Anspruch auf eine reine Geldzahlung. Der Pflichtteilsberechtigte nimmt weder an der Verwaltung noch an der Teilung des Nachlasses teil. Er kann nur eine Geldsumme verlangen, die dem Wert seiner Pflichtteilsquote, also dem Wert der Hälfte seines gesetzlichen Erbrechts, entspricht. Zur Berechnung des auf den Pflichtteil zu zahlenden Geldes ist zunächst der Nachlass zu ermitteln und dieser dann zu bewerten. 

1. Pflichtteilsrelevanter Nachlass

Die Höhe des Pflichtteilsanspruchs ist abhängig vom Wert des Nachlasses zum Zeitpunkt des Erbfalls (§ 2311 Absatz 1 BGB). Nachträgliche Wertsteigerungen oder -minderungen bleiben außer Betracht.

Vom ermittelten und bewerteten Aktivnachlass sind für die Berechnung des Pflichtteils sämtliche Schulden des Verstorbenen sowie die Kosten, die anlässlich des Erbfalls entstanden sind, in Abzug zu bringen.

Nicht abzugsfähig sind dagegen Pflichtteils- und Vermächtnisansprüche, Kosten der Testamentseröffnung, Kosten des Erbscheins, Grabpflegekosten, die Kosten der Erbschaftsteuererklärung, sowie die Erbschaftsteuer.

Bei der Feststellung des Nachlasswertes werden aufschiebend bedingte oder ungewisse, unsichere Rechte und Verbindlichkeiten zunächst nicht in Ansatz gebracht (§ 2313 BGB). Nur wenn die Bedingung später eintritt, hat eine Nachberechnung des Pflichtteilsergänzungsanspruches zu erfolgen (§ 2313 Absatz 1 Satz 2 BGB).

2. Bewertung der Nachlassgegenstände

Für die Berechnung des Pflichtteilsanspruchs müssen alle Vermögenswerte, die zum Nachlass gehören, bewertet werden:

  • Immobilien werden mit dem Verkehrswert angesetzt, also mit dem auf dem freien Markt erzielbaren Geldwert. Der steuerliche Wert ist ohne Bedeutung für die Pflichtteilsberechnung.
  • Für das selbst genutzte Einfamilienhaus oder die selbst genutzte Eigentumswohnung wird die Wertermittlung überwiegend nach dem Sachwertverfahren erfolgen. Dieses orientiert sich an den Herstellungskosten. Es muss also gefragt werden, was es heute kosten würde, dieses Haus oder diese Wohnung zu bauen. Danach ist das Alter des Hauses oder der Eigentumswohnung wertmindernd zu berücksichtigen.
  • Ein Mietshaus, das als Vermögensanlage zum Nachlass gehört, wird überwiegend nach dem Ertragswertverfahren bewertet, das auf die erzielte Rendite (die eingehenden Mieten) abstellt.
  • Bei unbebauten Grundstücken wird der Wert durch einen Vergleich der Kaufpreise für benachbarte Grundstücke ermittelt. Dieser Preis spiegelt sich im sogenannten Bodenrichtwert wieder.

Häufig wird es notwendig sein, den Wert der Nachlassimmobilien durch Schätzung zu ermitteln. Dafür werden in aller Regel Sachverständigengutachten eingeholt, die in ihren Ergebnissen unterschiedlich ausfallen können. Die Kosten hierfür fallen zwar dem Nachlass zur Last (§ 2314 Absatz 2 BGB), mindern aber als Nachlassverbindlichkeiten den Nachlasswert. So trägt der Pflichtteilsberechtigte die Sachverständigenkosten letztlich entsprechend seiner Erbquote mit.

  • Wertpapiere werden mit dem Kurswert am Todestag des Erblassers angesetzt.
  • Gesellschaftsanteile sind grundsätzlich, soweit der Gesellschaftsvertrag nichts anderes vorsieht, mit ihrem vollen tatsächlichen Wert zu berücksichtigen, also mit dem Wert, den ein Außenstehender als Kaufpreis zahlen würde.
  • Handelsgeschäfte oder Praxen eines Selbständigen werden ebenfalls mit ihrem tatsächlichen Wert berücksichtigt. Dieser ergibt sich sowohl aus den Sachwerten, als auch aus inneren Werten, dem sogenannte „good-will“. Beides spiegelt sich im Ertrag des Unternehmens wieder, weshalb die Bewertung grundsätzlich nach dem Ertrag des Unternehmens erfolgt.
  • Lebensversicherungen sind nur dann dem Nachlass zuzurechnen, wenn seine Erben bezugsberechtigt sind. Sie gehören nicht in den Nachlass, wenn der Versicherte einen Dritten als Bezugsberechtigten benannt hat. Möglicherweise können aber Pflichtteilsergänzungsansprüche bestehen. Wurde dem Dritten ein widerrufliches Bezugsrecht schenkweise zugewendet, ist grundsätzlich der Rückkaufwert zum Todeszeitpunkt maßgeblich. Im Einzelfall kann auch ein objektiv belegter, höherer Veräußerungswert zugrunde gelegt werden, wenn der Erblasser die Ansprüche aus der Lebensversicherung zu einem höheren Preis an einen gewerblichen Ankäufer hätte verkaufen können.

Weitere Informationen zum Pflichtteil finden Sie hier.

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